Illustration InnoRAD Modale Filter

Modale Filter © ADFC/April Agentur

Modale Filter beruhigen Quartiere und schaffen Platz

 

Das ADFC-Projekt „InnoRAD“ stellt erfolgreiche Best-Practice-Beispiele der internationalen Radverkehrsförderung vor und prüft, ob sie in Deutschland anwendbar sind, wie modale Filter, die Durchgangsverkehr aus Wohn- und Nebenstraßen raushalten.

 

Städte leiden unter zu viel Kfz-Verkehr, vor allen in Straßen, die dafür nie vorgesehen waren, wie Fahrradstraßen mit Anlieger frei, Wohn- oder Geschäftsstraßen. Eine einfache, aber effektive Lösung gegen den ungewünschten Verkehr sind modale Filter. Sie sorgen für verkehrsberuhigte Stadtviertel und schaffen mehr Platz für die Menschen, die dort leben.

Modale Filter sind alle verkehrsplanerischen und infrastrukturellen Elemente, die das Ziel haben, unerwünschte Verkehrsarten herauszufiltern, während den erwünschten Verkehrsarten der Durchgang ermöglicht wird.

In der Verkehrsplanung ist meist der motorisierte Verkehr die unerwünschte Verkehrsart. Die Filterfunktion kann sich aber auch nur auf bestimmte Kraftfahrzeuge beziehen und beispielsweise den Busverkehr durchlassen. Es gibt in Städten ohnehin viele „natürliche“ modale Filter, wie niedrige Durchfahrtshöhe bei Brücken, die zum Beispiel große Lkw rausfiltern oder Flüsse und Grünflächen, die angrenzende Quartiere oft beruhigen, wenn es keine Durchfahrtsmöglichkeiten gibt.

Bewusst installierte modale Filter

Als effektives Instrument der Verkehrsberuhigung haben sich die geplant installierten, modalen Filter erwiesen. Sie sind immer dann sinnvoll, wenn Quartiere unter zu viel Schleichverkehr leiden und Straßen vom Durchgangsverkehr zu stark belastet werden, zum Beispiel, weil es einen Stau auf der parallelen Hauptverkehrsstraße gibt und Autofahrende auf Nebenstraßen ausweichen oder wenn Nebenstraßen die geographisch kürzeste Verbindung zwischen A und B darstellen. Dass Nebenstraßen für den Durchgangverkehr genutzt werden, ist kein neues Problem, doch mit der zunehmenden Echtzeitnavigation hat es sich massiv verstärkt. Das zeigt auch, dass die herkömmliche Straßensystematik, die anzeigt, welche Bedeutung eine Straße für den Verkehr hat, als Steuerungselement in der Verkehrsplanung veraltet ist.

 

Eine Lösung für diese Durchgangsstraßen können modale Filter sein, die mit einfachen Mitteln den Verkehr lenken können. Es gibt drei Formen von modalen Filtern:

1. Modale Filter durch Verkehrszeichen

Verkehrszeichen können den Verkehr auch ohne bauliche Maßnahmen filtern: Ein Verkehrszeichen, das die Durchfahrtsverbot für bestimmte Verkehrsarten untersagt, ist zum Beispiel ein halber modaler Filter. Eine gegenläufige Einbahnstraße hat für die Straße insgesamt eine komplette Filterfunktion.

2. Modale Filter durch bauliche Sperren

Während Verkehrszeichen schnell übersehen oder missachtet werden können, sorgen bauliche Sperren für eine nahezu hundertprozentige Regeleinhaltung, da sie kaum missachtet werden können. Die Gestaltung der Sperren kann unterschiedlich sein: Beliebt sind sogenannte Diagonalsperren, die den Verkehr an Kreuzungen in eine Richtung lenken und so den geradeaus geführten Kfz-Verkehr herausfiltern. So kann auf eine Sackgasse mit einem platzintensiven Wendekreise verzichtet werden.

Sperren an Einmündungen zu großen Hauptverkehrsstraßen beispielsweise schützen das Stadtviertel oder die Nebenstraße vor unerwünschten Einfahrten, gleichzeitig verhindern die Sperren, dass es an der Hauptverkehrsstraße zu unsicheren Abbiege-Situation kommt. Zudem sinkt der Bedarf an Ampeln an der Hauptverkehrsstraße – und die Kreuzung wird so entschärft. Werden Sperren als modale Filter installiert, muss der Kfz-Verkehr entweder in eine andere Richtung abfließen oder es muss Platz für einen sogenannte Wendehammer geben.

3. Modale Filter durch Stadtplätze

Die dritte Möglichkeit der modalen Filter hat nicht nur Auswirkungen auf den Verkehr, sondern auch auf den öffentlichen Raum: Die Rede ist von der Umwidmung eines kurzen Straßenabschnitts oder eines Platzes zu einer Fußgängerzone mit Radweg oder einer, in der der Radverkehr freigegeben ist. Eine attraktive Platzgestaltung ruft eine höhere Akzeptanz bei den Menschen hervor und bietet Möglichkeiten der Begegnung und schafft Aufenthaltsräume.

Besonders geeignete Straßenabschnitte für diese modalen Filter liegen vor Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, vor großen kommunalen Gebäuden wie Rathäusern, Schwimmbädern, Theatern etc., in Park- und Grünanlagen und an kleinen Stadt- und Quartiersplätzen, vor allem wenn sie durch den ruhenden und fließenden Stadtverkehr stark belastet sind. Solche neuentstandenen Stadtplätze lassen sich zum Beispiel durch Poller schützen, die vom Lieferverkehr, der Müllabfuhr oder Stadtreinigung mit entsprechenden Schlüsseln umgelegt werden können, damit diese die Zonen befahren können. Sind die Straßenabschnitte sehr kurz, sind solche Maßnanmen nur selten notwendig.

Schnell umsetzbar und preiswert

Alle drei Möglickeiten sind punktuelle Umbauten – es sind keine Bordsteinverlegungen oder andere aufwendige Umgestaltungen notwendig. Daher sind modale Filter schnell umsetzbare undvor allem preiswerte Mittel der Verkehrsberuhigung.

Logos: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Bundesumweltamt
Logos: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Bundesumweltamt © BMU / UBA

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.
Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

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