Illustration InnoRAD Mini-Hollands

Mini-Hollands in London © ADFC/April Agentur

Mini-Hollands in London

 

Im ADFC-Projekt „InnoRAD“ werden besonders erfolgreicher Best-Practice-Beispiele aus der internationalen Radverkehrsförderung vorgestellt. Hier geht es um das Mini-Hollands-Programm, das in drei Londoner Außenbezirken umgesetzt wurde.

 

London möchte fahrradfreundlich werden. Und das nicht nur in der Londoner Innenstadt, sondern auch in der dicht besiedelten Außenbezirken der Stadt. Ein Mobilitätswandel ist notwendig und könnte ohne Einschränkungen erreicht werden, denn 50 Prozent aller Wege in der Stadt sind unter drei Kilometern lang.

Londons Bürgermeister entschied 2013, das sogenannte Mini-Hollands-Programm auszuschreiben, auf das sich alle 18 Außenbezirke bewerben konnten. Die Finanzierung der Mini-Hollands erfolgt durch Transport for London, die gemeinsame Koordinierungsstelle des Verkehrssystems in London und des Bürgermeisters von London.

Drei Bezirke erhielten je 30 Mio. Pfund

Die drei Londoner Außenbezirke Waltham Forest, Kingston und Enfield haben mit ihrer Bewerbung und dem Ziel, die Straßen allen Menschen durch verbesserte Fuß- und Radverkehrsinfrastruktur wieder zurückzugeben, die Auswahlkriterien erfüllt und den Zuschlag erhalten. Über das Programm erhielten die drei Bezirke jeweils 30 Millionen Pfund für die Umsetzung ihres Konzeptes zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur nach holländischem Beispiel zur Verfügung.

 

Auch wenn das Programm als Finanzierungprogramm für den Radverkehr begann, ist es nur ein Teil einer integrierten Herangehensweise, um Luftqualität, Gesundheit und die wirtschaftliche Entwicklung zu verbessern und lebenswerte Quartiere zu schaffen. Durch die Investitionen sollen sich die Straßen der Bezirke in einen qualitätsvollen Raum für alle verwandeln: Menschen mit dem Rad, zu Fuß oder Menschen, die sich mit dem Auto oder dem ÖPNV fortbewegen. Menschen, die selbst kurze Strecken mit dem Auto zurücklegen, sollte der Umstieg auf aktive Mobilitätsarten erleichtert werden.

Maßnahmen-Mix

Um dieses Ziel zu erfüllen, war ein Mix aus komplett geschützter Radinfrastruktur inklusive geschützter Kreuzungen an Hauptverkehrsstraßen und Verkehrsberuhigung in Wohnstraßen, idealerweise gesperrt für den Durchgangsverkehr notwendig.

Außerdem sollten die Einführung von einer Höchstgeschwindigkeit von 20 mph (ca. 30 km/h), modale Filter zur Verkehrsberuhigung, Umwandlung von Parkflächen in überdachte und gesicherte Fahrradparkplätze oder Parkbänke für die Bewohner zum Verweilen den Bezirk zu einem Ort für alle machen.

Aggressivem Fahrverhalten wollte man entgegen wirken: Autofahrer*innen sollten auf die Verletzlichkeit der anderen Verkehrsteilnehmer*innen aufmerksam gemacht werden. Auch Kinder sollten den öffentlichen Raum vermehrt als einen Ort für Spiel und soziale Interaktion kennenlernen und insgesamt eine positive Identifikation mit dem öffentlichen Raum geschaffen werden.

Erfolgreiche Bilanz

Besonders der Bezirk Waltham Forest hat sein Mini-Hollands-Programm in den letzten Jahren sehr erfolgreich umgesetzt.
Unter anderem wurden in nur fünf Jahren

  • über 1.200 Fahrradbügel,
  • 7 Fahrradparkhäuser,
  • 300 sogenannte Fahrrad-Hangars (Fahrradparkplätze in Pkw-Größe) und
  • 22 km geschützte Radinfrastruktur gebaut,
  • 100 Kreuzungen verbessert,
  • 40 modale Filter installiert,
  • 700 neue Bäume gepflanzt
  • und 15 Pocket Parks angelegt.

Studien haben gezeigt, dass der Fahrradanteil innerhalb des ersten Jahres bereits um fünf Prozent zunahm. Ziel des Bezirkes ist, das Fahrrad fahren für alle Menschen von 8 bis 80 zu ermöglichen!

Weitere Informationen zum Mini-Hollands-Programm, wie der Vortrag von Megan Sharkey von der University Westminster auf dem ADFC-Symposium, finden sich im blauen Servicekasten. Weitere Materialien sowie ein umfassendes Fact-Sheet werden dort in Kürze veröffentlicht.

Logos: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Bundesumweltamt
Logos: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Bundesumweltamt © BMU / UBA

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.
Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

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